Nun spriessen bereits die ersten mutigen Blumen und Triebe. Endlich ist es klar ersichtlich, dass der Frühling begonnen hat. In den letzten sechs Wochen hat sich der Winter immer mehr zurückgezogen und das Feld vermehrt dem Frühling überlassen. Auch im Garten kann man bereits anfangen, die ersten Setzlinge zu ziehen und es wird wieder überall grün. Vor sechs Wochen feierten wir das Jahreskreisfest Imbolc. Nun ist das Sonnenfest Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche, auch Ostara oder Frühlings-Äquinox genannt, an der Reihe. 

Die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche bezeichnet, wie der Name schon verrät, den Tag, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Dies ist immer um den 21. März so. Geografisch gesehen steht die Sonne an diesem Tag über dem Äquator und läutet dadurch den Beginn des Frühlings ein. Sie wird den Äquator dann wieder in genau sechs Monaten, um den 21. September, überqueren. Es findet dann die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche, auch Herbst-Äquinox genannt, statt.

Märchen und Mythologie

Von verschiedenen Quellen hört man von der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara. Angeblich soll der Monat April ursprünglich bei den Germanen ihr geweiht gewesen sein. Doch diese Information ist nicht belegt. Ein Benediktinermönch, Beda, erwähnte Ostara zum ersten Mal schriftlich im 8. Jahrhundert. Er schreibt, dass die Feier für Ostara durch das Christentum verdrängt wurde. Dennoch hat sich der Name Ostara heute für die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche sehr verbreitet und das Bild der Fruchtbarkeitsgöttin geistert auch überall umher. Ihre Symbolik scheint auch durchaus logisch, vielleicht war es also wirklich so. 

Auch die Alten Griechen hatten eine Fruchtbarkeitsgöttin und nannten sie Demeter. Sie verkörpert die Erdmutter. Demeters Tochter Persephone regiert laut Mythos während der dunklen Jahreszeit gemeinsam mit ihrem Mann Hades die Unterwelt. Am heutigen Tag steigt sie wieder hinauf und verbringt die helle Jahreshälfte lachend und musizierend auf der Erde. Bevor sie dann für den nächsten Winter wieder hinabsteigen wird.

Ostern

Am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche wird im Christentum Ostern gefeiert. Laut Bibel ist Jesus, der Sohn Gottes, an diesem Tag auferstanden. Er siegte über den Tod und lieferte Beweise für ein Leben nach dem Tod. Ostern ist das wichtigste Fest der Christen. 40 Tage davor findet traditionell die Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern statt. 

Es findet wahrscheinlich nicht zufällig Mitten im Frühling statt. Denn der Name Ostern erinnert sehr stark an die Fruchtbarkeitsgöttin Ostara. Obwohl, wie bereits erwähnt, kann man nicht sicher sein, ob es diese Göttin wirklich gegeben hat. Diese Information ist also mit Vorsicht zu geniessen. Der Name könnte auch etwas mit der Himmelsrichtung Osten, der Richtung der aufgehenden Sonne, zu tun haben.

Auch der Hase und die Eier, die wir hierzulande an Ostern gekocht und eingefärbt „tütschen“, sind wahrscheinlich Fruchtbarkeitssymbole. Wenn du hier klickst, kommst du zu einer ganzen Auflistung witziger Osterbräuche rund um den Globus.

Themen dieser Zeit

Wir befinden uns im Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit. Doch in Kürze wird das Licht triumphieren, es bekommt wieder mehr Platz. Wir haben jetzt lange Zeit die Aufmerksamkeit nach Innen gerichtet, nun kommt wieder eine Zeit, in der das Äussere wieder mehr Raum bekommt. Vieles erneuert sich, Tiere werden geboren, junge Pflanzen spriessen und keimen. 

Den Erneuerungsdrang spüren wir auch in uns, zum Beispiel als Rastlosigkeit und Bewegungsdrang oder dem Wunsch zum Frühlingsputz.

Im Garten wird ausgesät. Aber auch im symbolischen Sinne können wir jetzt aussähen. Was sähst du für die kommende Zeit? Was möchtest du manifestieren? 

Es kann auch sein, dass das Loslassen, das Abstreifen von Altem momentan ein Thema für dich ist. Denn der Winter und die Dunkelheit werden jetzt zurückgelassen. Es wird Platz für Neues geschaffen und aufgeräumt.

Idee für eine Zeremonie

Nebst den bekannten Osterritualen, wie beispielsweise Eier zu bemalen, möchten wir zur Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche gerne eine Idee für eine kleine Zeremonie vorschlagen. Der Sinn einer solchen Zeremonie liegt unserer Meinung nach darin, sich wieder enger mit der Natur und ihren Zyklen zu verbinden. Dadurch kommt man automatisch auch seinem wahren Selbst immer etwas näher.

Deine Frühlingszeremonie sollte wenn möglich draussen stattfinden. Dort kannst du dich am besten mit den Veränderungen verbinden und Kontakt zu Mutter Natur und den Naturgeistern aufnehmen. Falls du nicht nach draussen kannst, holst du dir die Natur in dein Zuhause, in dem du Blumen, Zweige und andere Naturmaterialien aufstellst. 

Unser Vorschlag ist, dass du draussen einen kleinen Altar errichtest. Das kann beispielsweise unter deinem Lieblingsbaum sein oder bei einem grösseren Stein oder einfach dort, wo du dich geborgen fühlst. Für den Altar kannst du mit verschiedenen Materialien aus der Natur ein schönes Plätzchen einrichten. Idealerweise wird jedes Element durch einen Gegenstand vertreten sein. Vielleicht mit einer Feder für Luft, einer mit Wasser gefüllten Nussschale fürs Wasser und so weiter. Es gibt aber keine Regeln! Die Naturgeister freuen sich auch immer über kleine Gaben, beispielsweise eine Frucht oder ein gefärbtes Ei, das du am Altar zurücklässt. Wenn du nun noch ein Lied singst oder eine Weile trommelst, merkt die Natur, was du tust und wird aufmerksam. Vielleicht hast du auch Lust, ein kleines Gebet zu den Naturgeistern zu sprechen, sie um Mithilfe bei einem Vorhaben zu bitten oder dich einfach nur zu bedanken. Geniess den Platz, den du erschaffen hast. Bleib eine Weile in Stille und achte auf Zeichen. 

Deinen Altar darfst du in Zukunft immer wieder aufsuchen, denn seine Energie wird dadurch immer stärker werden. 

Du willst gleich weiterlesen? Hier geht es zur Übersicht über die acht Jahreskreisfeste und ihre Hintergründe. 

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