Am 21. oder 22. Dezember erleben wir auf der nördlichen Halbkugel den kürzesten Tag und somit die längste Nacht des Jahres, es ist der Zeitpunkt der Wintersonnenwende. Das heisst, von nun an werden die Tage wieder länger, die Sonne kommt wieder in unser Leben, die Dunkelheit ist absehbar. Ausserdem ist es die Zeit von Weihnachten und wir feiern Neujahr. Zufall? Schauen wir uns doch mal an, was die Wintersonnenwende überhaupt bedeutet, geografisch gesehen, für die alten Kulturen und auch in der heutigen Zeit.

Was ist eine Wintersonnenwende?

Das Fest zur Wintersonnenwende ist eines der acht Jahreskreisfeste, über die du hier mehr Infos findest. Und zwar zählt es da zu den vier Sonnenfesten. Denn, wie der Name schon verrät, ist es an die Sonne gekoppelt. Diese macht um den 21. Dezember zwar keine Wende, dennoch passiert hier geografisch gesehen etwas. Die Sonne steht senkrecht über dem südlichen Wendekreis (23.4°), ist also (ebenso wie am 21. Juni) am weitesten entfernt vom Äquator. Dies führt dazu, dass die Sonne an diesem Tag aufs Jahr gesehen bei uns auf der Nordhalbkugel den tiefsten Stand hat zur Mittagszeit. Die Sonne geht spät auf und früh wieder unter und sie hat wenig Kraft. Danach nähert sich die Sonne dem Äquator wieder an. Astronomisch gesehen beginnt deshalb am 21. Dezember der Winter.

Die heidnischen Traditionen

Nach germanischen, also vorchristlichen, Sagen fand zur Wintersonnwende die Geburt des Sonnekindes statt oder auch die Wiedergeburt des Sonnengottes. Die gebärende Mutter steht symbolisch für die dunkle, heilige Nacht.

Samhain am 31. Oktober war der Abschluss des Jahres, in den Sagen fand hier der Abstieg der Götter in die Unterwelt statt. Alles Alte wurde hinter sich gelassen. Jetzt, zur Wintersonnenwende, feierte man die Wiedergeburt des Lichtes, einen Neuanfang, ein Fest des Lebens. Aber auch ein Gedenken der Ahnen. Das Wichtige war diese heilige Dunkelheit, die Mutternacht vor der Wintersonnenwende. Schon die Wochen davor bereiten einem auf diesen Augenblick vor. Man zieht sich zurück, hält eine Innenschau, bevor dann die geweihte Nacht eine spezielle „Nicht-Zeit“ einläutet. Dies sind zwölf Nächte (siehe weiter unten: Die Rauhnächte) des Stillstands, in denen nicht gearbeitet wurde.

Zur Zeit der Germanen und Kelten und noch lange danach, als es noch keine beheizten Wohnräume gab, war diese Dunkelheit angsteinflössend. „Werden wir und unser Vieh die Kälte und die Nahrungsmittelknappheit überleben?“ Die Natur scheint tot zu sein, es ist ein ständiger Kampf. Wenn dann die Tage wieder länger wurden, war dies ein Grund zur Erleichterung und grosser Freude. Es keimte Hoffnung auf. Deshalb war die Wintersonnenwende eines der heiligsten und wichtigsten Feste im Jahreskreis. Viele dieser Dinge sind nur teilweise belegt, tragen aber doch zu einem Verständnis der damaligen Zeit bei.

Im Heidentum steht der Name Jul für das Fest zur Wintersonnenwende. Noch heute heisst Weihnachten im Norden, z.B. in Schweden, Jul. Der Ursprung des Wortes ist unklar, doch es wird in Verbindung zum heidnischen Gott Odin (Wotan) gebracht, der auch als Jolnir bezeichnet wurde. Odin war der Göttervater mit schamanischen, magischen Zügen. Historiker vermuten, dass die Wintersonnenwende zu Ehren Odins gefeiert wurde.

Die Wintersonnenwende im Christentum

Die Geburt eines Lichtbringers zur Wintersonnenwende ist also nicht erst mit dem Christentum entstanden. Jesus hat die Position des Lichtkindes eingenommen, die Geburt wurde dann etwa Mitte des 4. Jahrhunderts vom damaligen Papst auf den 25. Dezember gelegt und sollte somit den Heiden das Christentum besser zugänglich machen. Gleichzeitig wurde damit auch das römische Fest des Mithraskult um den „Sol Invictus“, den unbesiegbaren Sonnengott, umgemünzt. Die Leute wurden so leichter zu Christentum bewegt. Leider ging dadurch der Naturbezug mehr und mehr verloren und die „Person Jesus“ wurde ins Zentrum gerückt.

Dem alten heidnischen Fest der geweihten Nacht ist Weihnachten ja nicht so verschieden. Auch viele Bräuche wurden übernommen oder weiterhin ausgeführt. So zum Beispiel der Adventskranz mit den Kerzen als Lichtsymbole oder die immergrüne Zweige, die ein Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit sind. Ebenso Äpfel und Nüsse. Sogar der Weihnachtsmann ist keine Erfindung der neueren Zeit. Wolf-Dieter Storl hat dazu einen interessanten Artikel geschrieben.

Die Wintersonnenwende in anderen Kulturen

Es gibt Belege, dass die Sonnenwenden bereits in der Steinzeit gefeiert wurden!  Beispielsweise in Stonehenge strahlt die Sonne an diesen Tagen auf perfekt geplanten Linien.

Ebenso haben die Inkas und die Mayas ihre Tempel nach diesen Sonnendaten ausgerichtet. Die Inkas lebten auf der Südhalbkugel, weshalb sie den kürzesten Tag am 21. Juni feierten. Es ist für sie das wichtigste Fest im Jahr und heisst Inti Raymi. Noch heute ist es ein sehr bedeutender Tag in Peru, Ecuador und Bolivien, den die Nachkommen der Inkas traditionell an archäologischen Plätzen feiern.

Gläubige der japanischen Religion Shinto feiern am 21. Dezember Tohji-Taisai. Dies symbolisiert den Eintritt von der Yin-Zeit ins Yang. Man badet traditionell zur Wintersonnenwende in einer Badewanne oder einem Teich mit Früchten.

Ritual-Idee

Vielleicht hast du Lust, dich zur Zeit um den 21. Dezember mit der Natur zu verbinden. Unsere Rituale sollen nicht die heidnischen Bräuche wieder beleben. Es geht darum, eine Verbindung zur Natur mit dem Feiern der Jahreskreisfeste zu vertiefen. Ebenso eignen sich diese Rituale sehr gut dazu, die eigene Spiritualität zu festigen oder neu auszubilden. Deshalb machen wir hier einen Vorschlag zu einer kleinen Zeremonie für dich alleine oder mit Freunden:

  • Begib dich wenn möglich in die Natur, zum Beispiel in einen Wald oder zu einem Baum. Es ist spannend, auch in der kalten Jahreszeit nach draussen zu gehen und die Natur wahrzunehmen. 
  • Erstelle aus immergrünen Zweigen von Nadelbäumen oder Stechpalmen einen kleinen Altar in Form eines Rades, in dessen Zentrum du eine Kerze stellst. Das Rad stellt das sich ewig drehende Jahresrad dar und die Kerzen symbolisieren das wiederkehrende Licht. Für jeden Teilnehmer der Zeremonie stellst du eine kleine Kerze an den Rand des Rades. Warte noch mit dem Entzünden.
  • Nun halten wir inne. Gerade in der Zeit vor Weihnachten finden wir heutzutage wenig Ruhe und Frieden. Wir konsumieren deutlich mehr als sonst und fühlen uns häufig gestresst durch die Vorbereitungen und den Jahresabschluss. Nimm die Kälte und die Dunkelheit wahr. Welche Gefühle tauchen bei dir auf im Zusammenhang mit diesen Begriffen? Vielleicht machst du dir auch ein paar von deinen Schattenseiten bewusst.
  • Entzünde dann die Kerze in der Mitte. Was ändert sich nun gefühlsmässig? Was bedeutete das Feuer früher für die Menschen in dieser Jahreszeit? Wo haben wir es heute überall einfacher als in früheren Zeiten? Was in deinem Leben gefällt dir richtig gut?
  • Mach dir Gedanken über das kommende Jahr. Was ist dir wirklich wichtig? Worauf möchtest du mehr Wert legen? Wer möchtest du wirklich sein? Was für ein „Licht“ möchtest du gebären? Stell dir alles ganz genau vor, du kannst es auch aufschreiben, um dir zuhause dann ein Visionboard zu gestalten.
  • Entzündet nun eure Kerzen der Reihe nach und erzählt euch von euren Visionen und Wünschen für das kommende Jahr. Ihr setzt damit den Keim, der von nun an wächst um in diesem Jahr zu gedeihen und blühen. Die Flamme bringt auch Licht in eure Schattenseiten.
  • Falls du gerne räucherst, eignet sich hier das sonnige Johanniskraut. Schön wäre, wenn dieses um die Sommersonnenwende gesammelt wurde. Das Räuchern verstärkt den reinigenden, loslösenden Aspekt dieser Zeremonie. Des weiteren eignen sich Myrrhe, Nelken, Beifuss und Weihrauch.
  • Zum Abschluss könntest du einen Tee ausschenken, den du zuvor in eine Thermoskanne abgefüllt hast, mit winterlichen Gewürzen wie Zimt, Nelken usw. Bedanke dich bei den Naturkräften, denen du dich nahe fühlst (z.B. den Himmelsrichtungen oder den Elementen).

Die Rauhnächte

Bei den Rauhnächten handelt es sich um zwölf Tage, die in einer sogenannten Zeit zwischen den Jahren stattfinden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Sonnenjahr zwölf Tage länger ist als das Mondjahr. Deshalb werden diese Tage als die Zwölfnächte oder eben die Rauhnächte bezeichnet. Der Beginn dieser Nächte wird unterschiedlich gedeutet. Manchmal beginnen sie erst am 24. Dezember, um dann in der Nacht auf den 6. Januar zu Enden. Oder sie beginnen bereits in der Nacht auf den 21. Dezember. 

Diesen Nächten wird eine magische Bedeutung zugeschrieben. Sie sind in den germanischen Sagen der Startschuss für die wilden Ritte Odins. Ausserdem dienen sie dem Räuchern des Hauses, daher der Name. Mehr über die Rauhnächte gibt es hier zu lesen.

Möchtest du gemeinsam mit uns die Zeremonie zur Wintersonnenwende feiern? Wir begehen die Zeremonie mit einem herzöffnenden Kakao und verbinden uns mit der Natur. Schau für mehr Infos bei den aktuellen Veranstaltung vorbei oder abonniere unseren Newsletter, um über Aktuelles auf dem Laufenden zu bleiben. 

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