Spirituelles Räuchern begegnet uns Europäern häufig zum ersten Mal in der Kirche, wo mit Weihrauch zu speziellen Gelegenheiten geräuchert wird. Im Yoga sind es dann eher die aus dem asiatischen stammenden Räucherstäbchen und auch auf dem Amerikanischen Kontinent räuchert man, beispielsweise mit Hilfe der Friedenspfeife oder dem heiligen Holz, Palo Santo, um nur wenige Beispiele zu nennen. Die ganze Welt kennt das spirituelle Räuchern. Doch woher stammt dieser Brauch? Dem Ursprung und auch der heutigen Räucheranwendung mit heimischem Räucherwerk wollen wir in diesem Artikel auf den Grund gehen und eine Wissensbasis schaffen.

Spirituelles Räuchern

Es handelt sich eigentlich um etwas ganz Simples. Auf eine glühende Kohle werden verschiedene Pflanzenteile wie getrocknete Blätter, Rinde, Harze usw. gelegt. Anstelle einer Kohle kannst du auch ein Gitter über einem Teelicht mit dem Räucherwerk belegen, da ist die Hitze dann etwas weniger stark. Mit dem Zusatz „Spirituell“ möchten wir den Unterschied zum Räuchern von Lebensmitteln wie etwa Würsten oder Speck verdeutlichen.

Ursprünge

Bereits seit 40‘000 Jahren wird geräuchert. Dies weiss man, weil Rückstände von verbranntem Harz in entsprechenden Gefässen gefunden wurden. Die Menschen lebten früher in Höhlen mit einem Feuer, das den ganzen Tag Rauch produziert hat. Es war also nur logisch, dass geräuchert wurde. Wahrscheinlich nutzte man damals schon die verschiedenen Aromen von Pflanzen. So ist es klar, dass dieser Brauch nicht irgendwann erfunden wurde, sondern natürlich entstand. Ausserdem vertreibt Rauch Insekten, was ursprünglich ein wichtiger Sinn und Zweck gewesen sein könnte. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, gibt es rund um den Globus den Brauch des Räucherns.

Beispiele aus aller Welt

Zur Verdeutlichung und um die Verschiedenheit des Räucherns zu begreifen soll aus einigen Grossregionen je ein Beispiel aufgeführt werden.

  • Europa: Die Kelten und Germanen sind in unsere Vorfahren. Die Kelten kannten das Räuchern mehr als eine Art der Opfergabe. Eisenkraut und Beifuss waren zwei bei den Germanen sehr verbreitete Räucherkräuter. Ein Brauch war es, bei Toten mit Wacholder zu räuchern, um ihren Seelen den Übergang zu erleichtern.
  • Asien: Es gibt Nachweise, dass in Asien bereits seit der Jungsteinzeit Zeremonien mit Räucherwerk begangen wurden. Indien gilt als Vorreiter der Räucherstäbchen-Kultur. Bereits in den Veden, den heiligen Schriften der Hindus, wird beschrieben, dass Räucherwerk nebst dem guten Geruch auch eine heilende Komponente besitzt. Beliebt waren beispielsweise Sandelholz, Kampfer oder Myrrhe. Das Räucherwerk galt als Nahrung für die Götter.
  • Lateinamerika: Man fand Belege, dass in den Hochkulturen der Inkas, Mayas und Azteken in Zeremonien geräuchert wurde. Sie nutzten vor allem das Harz verschiedenster Bäume un nannten es Copal.
  • Nordamerika: Der Steppenbeifuss hat oder hatte für die Indianer einen so hohen Stellenwert, wie wir es uns gar nicht vorstellen können. Bereits bei der Geburt kamen sie damit in Kontakt. Danach wurde zu jeder (zeremoniellen) Gelegenheit mit dem Steppenbeifuss geräuchert. Auch Tabak hat eine lange Tradition. Ihm wird nachgesagt, dass sein Rauch die Gebete direkt zu Gott tragen würde.
  • Afrika: Aus Nordafrika stammt das Weihrauch-Harz, welches in christlichem Kontext sehr verbreitet ist. Es haben bereits die alten Ägypter mit Weihrauch geräuchert, um den Göttern ein Opfer darzubieten.
  • Australien: Die Ureinwohner Australiens räucherten mit dem aromatischen Eukalyptus und der Acacia, einer Unterart der Mimosengewächse, zur Reinigung.

Wieso räuchern wir?

In unseren Kakaozeremonien räuchern wir zu Beginn jeweils die Teilnehmenden ab, damit sie alles draussen lassen können und in diesen geschützten Zeremoniekreis eintreten dürfen. Dazu nutzen wir beispielsweise ein Bündel Salbei oder auch ein Baumharz. Diese beiden schützen vor Negativem und reinigen den Energiekörper. 

Während der Zeremonie räuchern wir beispielsweise bei einer draussen stattfindenden Veranstaltung gerne als Opfergabe für das Feuer. Hier kommt inNordamerika traditionell Tabak zum Einsatz, man kann aber auch gut lokale Pflanzen verwenden, beispielsweise den weiter unten erwähnten Beifuss. Dessen Rauch unterstützt auch den zeremoniellen Zustand.

Vielleicht räuchern wir auch nochmals gegen Ende, um das Ganze zu versiegeln und da kann man sehr gut Palo Santo einsetzen. Eine lokale Alternative hierzu haben wir leider noch nicht gefunden.

Räucherwerk

Uns ist es sehr wichtig, dass wir lokale Pflanzen verwenden. Es macht energetisch und ökologisch keinen Sinn, Pflanzen von exotischen Orten einfliegen zu lassen. Wir haben von unserer grossen Reise Harz aus Mexiko mitgenommen, da wir uns dank dem Kakao sehr verbunden zu dieser Region fühlten. Dieses Harz wird Copal genannt. Wir nutzen es jetzt, bis es aufgebraucht ist. Parallel beginnen wir, lokales Fichtenharz zu sammeln. Dabei gehen wir behutsam vor und fragen die Bäume, ob wir überschüssiges Harz von der Rinde abkratzen dürfen. Man spürt normalerweise schnell, ob der Baum „Ja“ sagt oder nicht.

Für das häufig verwendete Räucherbündel mit „Sage“, ein Indianerkraut, das nicht wie häufig falsch angegeben dem Weissen Salbei entspricht, kann man bei uns den Beifuss verwenden. Dieser stammt aus derselben Familie wie der Sage (Artemisia Ludoviciana). Daraus kann man ganz einfach selbst ein Kräuterbündel binden, das man dann an der Spitze anzündet und glühen lässt.

Weiteres Räucherwerk, das es bei uns zu finden gibt und bei Zeremonien sehr hilfreich sein kann, möchten wir im Folgenden nur kurz aufzählen: Wacholder, Eisenkraut, aromatische Kräuter wie Rosmarin oder Salbei.

Verschiedene Räuchermethoden

In diesem Beitrag hast du nun schon von ein paar Räuchermethoden gelesen, dennoch werden wir sie hier nochmals zusammenfassen und beschreiben.

  • Im Gefäss mit Sand auf Kohle: Diese Methode eignet sich gut für draussen, wenn man mit dem Räucherwerk nicht herumgehen möchte. Denn das Gefäss kann sehr heiss werden! Streut man etwas vom feinen Sand auf die Kohle, kann man die Temperatur regulieren.
  • Kräuterbündel: Verwendet man das Räucherwerk zum Abräuchern von Personen, ist das Kräuterbündel die beste Wahl. Man zündet es kurz an, bläst es wieder aus und hat ein glimmendes, räucherndes Bündel, mit dem man sich bewegen kann.
  • Höhenverstellbares Stövchen: Ein Stövchen mit Teelicht, welches sich idealerweise noch in der Höhe verstellen lässt, ist nur für drinnen oder bei kompletter Windstille geeignet. Der Vorteil ist, dass die Temperatur nicht zu heiss ist, was vor allem bei Pflanzenteilen wie Blüten und Blättern von Vorteil ist. Wenn sie zu heiss verbrennen, entwickelt sich nämlich das gewünschte Aroma nicht.
  • Am Feuer: Sitzt man um ein Feuer, kann man auch ein Stück glühende Kohle etwas abseits hinbewegen und das Räucherwerk direkt darauf geben.  Am besten macht man das nur mit Harzen, denn die vertragen die grosse Hitze.

Viel Spass beim Ausprobieren und Eintauchen ins Reich der Düfte!

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