Jedes Jahr zwischen dem 21. und 23. September findet bei uns auf der Nordhalbkugel die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche statt. Der Name sagt uns bereits, worum es sich dabei handelt: Tag und Nacht sind gleich lang. Doch im Gegensatz zur Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche sind von nun an die Nächte länger als die Tage. Wir treten also in die dunkle Jahreshälfte ein. 

Mabon, wie die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche auch genannt wird, ist eines der acht Jahreskreisfeste. Es ist ein Sonnenfest, da es an den Stand der Sonne gekoppelt ist. Wir feiern den Übergang in eine neue Jahreszeit, den Herbst. Wir stehen also auf der Schwelle, noch nicht hier und nicht mehr dort. Mit dem Beginn der dunkleren Zeit wenden wir uns nun auch wieder verstärkt nach Innen. Der Sommer war die Zeit der Aktivität im Aussen. Wir feierten lauen Abende mit Freunden, genossen die Sonnenstrahlen draussen in der Natur und hatten insgesamt wenig Zeit, uns aktiv um unsere Seele zu kümmern. Diese Zeit beginnt jetzt. Es wird kälter und regnerischer, häufig kriecht der mystische Nebel über den Boden und die Blätter fallen von den Bäumen.  Und wir haben endlich wieder Zeit für die kleinen Arbeiten im Haus, Handarbeiten oder einfach zum Lesen oder Nachdenken. 

Geschichte

Bei unseren Vorfahren war diese Zeit entscheidend, denn alles, was jetzt geerntet und haltbar gemacht werden konnte, half dabei, die karge Winterzeit zu überstehen. Überlieferungen von dieser Zeit sind beispielsweise Zwiebel- oder Martinimärkten. Man kann annehmen, dass die Kelten und Germanen eine Art Erntedank gefeiert hatten. Sie dankten der Natur für ihre Gaben und waren sicherlich auch Stolz auf ihre geleistete Arbeit auf den Feldern.

Im Neuheidentum wird das Fest auch Mabon genant. Es gibt aber keine Belege, dass dieser Begriff einen keltischen Ursprung hat. Mabon heisst im altirischen „der grosse Sohn“. Die Mythologie besagt, dass Mabon der Sohn von Modron ist, die die Urmutter oder gar die Erde symbolisiert. In der Erzählung verschwindet ihr Sohn, Mabon, im Alter von nur drei Tagen. Nach einer langen Suche wird er im Innern der Erde von drei Tieren wieder gefunden.

Vorherrschende Energien

Schauen wir die Energie dieser Zeit an, sehen wir, dass es um Balance geht. Wir haben ein Gleichgewicht von Hell und Dunkel, aber auch beispielsweise von Innen und Aussen. Das Thema Gleichgewicht wird auch sichtbar in den Tierkreiszeichen, denn am 24. September wechseln wir in die Waage. Nebst der Balance spielt die Ernte eine grosse Rolle. Es ist ein Erntedankfest, das zweite nach Lughnasadh. Wir ernten nun, was wir in der letzten Jahreshälfte gesät haben. Momentan können wir einfach aus der Fülle schöpfen. Wir dürfen für unsere Ernte dankbar sein, sowohl für die angenehmen als auch für die lehrreichen Erfahrungen. Es gibt keine schlechten Erfahrungen!

Das Farbenspiel im Herbst ist ein Zeichen, dass das Leben ein Fest ist. Geniessen wir den Wechsel von Aussen nach Innen, von Hell zu Dunkel. 

Dein Ritual

Die Dankbarkeit und Rückschau auf die letzten Monate könnten eine zentrale Rolle dieses Herbstrituals spielen. 

Überleg dir in einem ersten Schritt, was du im letzten halben Jahr alles gemeistert und erreicht hast. Notier dir alles, was dir einfällt. Bedenk dabei unterschiedliche Aspekte deines Lebens. Welcher Gegenstand könnte für dich die Früchte dieses halben Jahres symbolisieren? Vielleicht ein orange leuchtender Kürbis? Oder ein paar Kastanien und braun-gelbe Blätter? Sammle in der Natur Gegenstände, die für dich den Herbst symbolisieren. Wenn du magst, kannst du damit in der Natur einen kleinen Altar als Dank für alles Erreichte legen. Dein Zettel mit den Notizen vom Anfang findet vielleicht auch einen Platz im oder vergraben unter dem Naturaltar. Beifuss, das Schamanenkraut, würde sich wunderbar für eine Räucherung eignen. Denn der Rauch trägt deine Gebete direkt in die Welt der Spirits. 

Übrigens war unsere allererste Zeremonie an der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche im Jahr 2018 in Guatemala. Damals haben wir einfach spontan entschieden, mit ein paar Freunden um ein Feuer zu sitzen und die Naturgeister zu ehren. Die dabei wahrgenommene Energie hat uns sehr überrascht. Wir sahen dies als Zeichen, dass wir in Zukunft die Jahreskreisfeste immer auf die eine oder andere Art feiern möchten.

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